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God bless America
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Herr Rowe, kann man die Show in diesem Jahr als erfolgreich bezeichnen? Die Meinungen der Aficionados gehen hier stark auseinander. Einige behaupten, die Messe sei in diesem Jahr äußerst schleppend gewesen, andere hingegen klagen über das rasante Tempo, das nicht einmal vor zwei Jahren in Las Vegas herrschte. Was denken Sie?
Ich bin der Ansicht, dass die diesjährige IPCPR ausgezeichnet verlaufen ist. Gemäß unseren Erwartungen haben wir eine zufriedenstellende Teilnehmerzahl verzeichnet. Im Vergleich zum Vorjahr haben wir zwar sieben Prozent weniger Besucher registriert, allerdings können wir nicht genau sagen, worin die Gründe dafür liegen. Ob es daran liegt, dass wir die Veranstaltung das zweite Jahr infolge in New Orleans durchgeführt haben oder ob es eine Folge der Wirtschaftskrise ist, wissen wir nicht. Mit Sicherheit kann man nur zwei Dinge sagen. Erstens hat unsere Assoziation Mitglieder ausnahmslos in allen US-Bundesstaaten, aber nichtsdestotrotz ist die westliche Küste in diesem Jahr sehr bescheiden vertreten. Offensichtlich reisen die Menschen von der Westküste ungern durch das ganze Land. Nächstes Jahr kehren wir nach Las Vegas zurück und gehen davon aus, dass die Teilnehmerzahl um 25 Prozent ansteigen wird. Und zweitens haben alle Aussteller, mit denen ich in der Zwischenzeit gesprochen habe, bestätigt, dass in diesem Jahr alle, die nach New Orleans gekommen sind, Einkaufen zum Ziel hatten. Die Aussteller konnten mehr Zeit mit Kunden verbringen, weil sie nicht durch lästige Fragen und den Bitten nach »Give-aways« abgelenkt wurden. Alle großen Cigarrenunternehmen beurteilen die Ausstellung angesichts der Bestellmengen und Verkäufe als erfolgreich.
Warum fand die IPCPR das zweite Mal infolge in New Orleans statt? Das hat es früher doch auch nicht gegeben?
Das stimmt. Wir führen die IPCPR jedes zweite Jahr in Las Vegas durch, ansonsten veranstalten wir sie in verschiedenen Städten. Wir planen die Shows einige Jahre im Voraus, um sicherzustellen, dass alles reibungslos verläuft und wir genügend Platz, Hotels und Restaurants in der Stadt haben. Las Vegas bzw. der Bundesstaat Nevada begann sehr aktiv das Rauchverbotgesetz in geschlossenen Räumen zu diskutieren und es wurde ziemlich schnell ratifiziert. Keiner wollte eine Ausnahme für unsere Messe machen. Noch während des Entscheidungsprozesses haben wir eingesehen, dass wir die Ausstellungsflächen nicht langfristig buchen können und deshalb haben wir begonnen nach Ersatz zu suchen. Dabei haben wir weiterhin auf das Recht bestanden, unsere Ausstellung auch im »rauchfreien« Vegas durchführen zu können. Wir wurden erhört, da diese Ausstellung große Einnahmen für die Haushaltskasse des Bundesstaates einbringt. So wurde für die IPCPR eine Ausnahme gemacht – natürlich nur für wenige Tage und auch nur auf dem Gelände des Ausstellungszentrums. Für uns ist das überaus wichtig, denn die Ausstellung ist für Cigarrenunternehmen bestimmt, die ihre Produkte den Kunden vorstellen wollen, die diese wiederum sofort rauchen und beurteilen möchten. Wie sollte es auch anders sein? Nun ist der Vertrag mit dem Ausstellungszentrum in Las Vegas unterschrieben und wir hoffen, dass alles nach Plan laufen wird und wir im Juli 2011 keinerlei Probleme mit der Genehmigung zu rauchen bekommen werden.
Was hat sich durch die Gesetzgebung seit dem letzten Jahr verändert?
Im April 2009 hat Barack Obama das Gesetz über den Vertrieb von »S-CHIP« (State Children’s Health Insurance Programm) unterschrieben. Faktisch ist es ein spezielles Besteuerungssystem einer bestimmten Produktgruppe, zu der auch die Cigarren zählen. Dementsprechend sind alle Veränderungen des vergangenen Jahres mehr oder weniger mit diesem Programm verbunden. Einerseits ist der bestehende Besteuerungssatz wesentlich gestiegen, andererseits haben die Gesetzgeber vor nicht allzu langer Zeit noch ernsthaft den Betrag von 10 US Dollar pro Cigarre diskutiert. Dies hätte der Cigarrenindustrie nicht einfach nur geschadet, es hätte sie über Nacht buchstäblich vernichtet. Wir haben viel Kraft, Zeit und Geld investiert, um das zu verhindern. Wir haben Lobbyisten und Juristen engagiert und mit sämtlichen staatlichen Institutionen kooperiert. Endlich haben wir ein Ergebnis, das man als Sieg ansehen kann: In einigen Staaten beträgt die Steuer 50 Cents. Das ist eigentlich nicht wenig, aber heute erscheint uns diese Zahl wie ein Wunder.
Besteht das Hauptproblem nach wie vor darin, allen den großen Unterschied zwischen Cigarren und Cigaretten zu erklären?
Vom Besteuerungsaspekt aus gesehen: Ja, aber jetzt wissen wir genau, wo sich die »Ohren« befinden, in die man flüstern muss. Und zwar bei der FDA (US Food and Drug Administration).
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Sind die nicht zuständig für Drogen?
(lacht) Ja, genau und jetzt beschäftigt sich die FDA mit uns. Derzeit ist es so, dass Cigarren nicht im offiziellen Vokabular dieser Organisationen sind. Es ist so, als würden Cigarren nicht existieren. Im Fachjargon der FDA ist lediglich von Cigaretten, »snuff« und »OTP« (Other Tobacco Products) die Rede. Die gesamte Branche hängt vollkommen von dieser einen Organisation ab, die uns nicht einmal als eigenständiges Produkt ansieht. Wir versuchen uns abzusichern, damit wir gleich reagieren können, wenn die FDA Dinge beschließt, die unsere Branche ungerecht behandelt. Ich weiß bereits jetzt, dass es unsere nächste große Schlacht werden wird.
Sich absichern? Auf welche Art und Weise?
Wir weisen unermüdlich darauf hin, dass handgerollte Cigarren aus der bezeichneten Gruppe herauszunehmen sind. Erstens weil es sich im Gegensatz zu Cigaretten, nicht um ein Produkt der Gewohnheit handelt, sondern um ein Produkt für das man sich gezielt entscheidet. Mit der Erhöhung des Steuersatzes erreichen die staatlichen Organisationen eine ganze Reihe angestrebter Ziele wie beispielsweise eine Verbesserung der Statistik hinsichtlich des Rauchens von Kindern und Jugendlichen. Das ist fantastisch, aber was haben wir damit zu tun? Cigarren zielen angesichts ihres hohen Preises gar nicht auf die Jugend ab. Das Durchschnittsalter eines Cigarrenaficionados in Amerika liegt bei 35 und das eines Pfeifen-Liebhabers sogar bei 60. Man muss sich doch endlich bewusst machen, dass die Cigarre ausschließlich für das Vergnügen von Erwachsenen geschaffen, erzeugt und verkauft wird. Das sind Argumente, die man nicht von der Hand weisen kann. Abgesehen davon ist die Cigarre ein Produkt, dessen Rauch nicht inhaliert wird. Aufgrund dessen spricht die FDA jetzt ernsthaft vom »passiven Passivrauchen«. Nein, ich stottere nicht, der Terminus ist tatsächlich so. Ich beispielsweise rauche Cigarren von morgens bis abends und trage einen Wollanzug, der natürlich wie eine brennende Cigarre riecht. Ich bin mir dessen bewusst und es gefällt mir. Manch einem könnte aber mein Geruch und meine Kleidung irgendwelche Unbehagen bereiten. Das ist eben dieses »passive Passivrauchen«.
Zurück zur Frage des Rauchverbots. Ich höre von den Aficionados immer seltener, dass dies die Wurzel des Übels wirklich ist. Wirtschaftskrise, Steuern – was ist die größte Gefahr für die Industrie?
Es ist die Kombination dieser Faktoren. Natürlich gehen die Meinungen der Cigarrenproduzenten in dieser Fragestellung auseinander. Manch einer ist davon überzeugt, dass wenn die Gesetzgebung das Cigarrenrauchen überall genehmigen würde, würde dies zu einem unglaublichen Ausmaß an rauchen führen und der daraus resultierende Gewinn würde die Erdölmagnaten bei weiten überholen. Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass das so eintreten würde. Zwar sind die Steuern wichtig, aber wenn diese bis ins Unermessliche steigen, dann wird die Branche in die Knie gezwungen und davon werden wir uns wohl nie wieder erholen können.
Stellen Sie sich einmal vor, dass das Embargo heu- te Nacht aufgehoben werden würde. Was glauben Sie, was dies für den amerikanischen Markt bedeuten würde?
Heute Nacht wohl kaum, aber abgesehen davon ist dies nur eine Frage der Zeit, obwohl wahrzusagen hier unmöglich ist. Hätten Sie mir diese Frage vor zehn Jahren gestellt, dann hätte ich wohl »Von heute auf morgen« geantwortet. Zehn Jahre sind mittlerweile vergangen und das Embargo gibt es immer noch. Raul Castro scheint ein nicht weniger komplizierter Mensch als sein Bruder Fidel zu sein, so dass noch kein Licht am Ende des Tunnels sichtbar ist. Eine Überlegung ist es dennoch wert. Ich glaube, dass, wenn das Embargo aufgehoben wird, wir eine Wiedergeburt oder vielmehr eine »Neugeburt« der Cigarren erleben werden. Es wird ein interessantes Ereignis eintreten, sobald das kubanische Tabakblatt auf dem US-amerikanischen Markt zugänglich wird. Nicht auszudenken, was die dominikanischen und nicaraguanischen Masterblender unter Ausnutzung des kubanischen Blattes machen können werden! Uns wird definitiv ein Festival interessanter Cigarren erwarten.

TEXT: KATHARINA Ryzhkova Fotos: NAIRA Oganesyan

 
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